Ein gütiges Herz wird niemals von Unglück heimgesucht.

Disaster Never Befalls a Kind Heart

Vor langer Zeit lebte ein Mann in Armut, besaß aber hohe moralische Werte und tat nie etwas, was anderen schadete oder gegen das Gesetz verstieß. Da er sich nicht selbst versorgen konnte, arbeitete er als Diener für mehrere Geschäftsleute.

Diese Geschäftsleute nahmen den armen Mann mit auf ihre Seereise, um einen verlorenen Meeresschatz zu bergen. Sie bargen den Schatz und setzten die Segel, um nach Hause zurückzukehren. Doch auf halbem Weg, ohne dass sie den Grund kannten, blieb das Schiff stehen. So sehr sie auch ruderten, es bewegte sich keinen Zentimeter. Die Geschäftsleute waren entsetzt und vermuteten, dass sie durch die Bergung des Schatzes den Meeresgott erzürnt hatten, der sie nun bestrafte. So knieten sie verzweifelt nieder und beteten zum Meeresgott, bereuten ihre Sünden und baten ihn um Heimkehr. Der arme Mann betete nicht mit ihnen, da er in seinem Leben nie etwas Böses getan hatte.

Das Schiff stoppte tatsächlich wegen des Meeresgottes. Er wollte die Kaufleute bestrafen, weil sie ihn entehrt hatten. Er wollte, dass das Schiff auf den Meeresgrund sank, doch er sah einen gutherzigen Mann an Bord, dem nichts geschehen sollte. Sieben Tage lang dachte der Meeresgott darüber nach und hatte schließlich eine gute Idee. Er dachte: „Lasst mich diese Kaufleute prüfen! Bestehen sie die Prüfung, lasse ich sie gehen; andernfalls werde ich sie bestrafen und den gutherzigen Mann freilassen.“

Das Schiff trieb sieben Tage lang regungslos auf dem Meer. Alle Geschäftsleute machten sich große Sorgen. Am siebten Tag hatte einer von ihnen einen Traum, in dem ihm der Meeresgott sagte: „Wenn du mir diesen armen Mann opferst, lasse ich dich nach Hause gehen.“ Nachdem der Geschäftsmann erwacht war, erzählte er allen anderen von seinem Traum. Daraufhin berieten die Geschäftsleute heimlich darüber, den armen Mann ins Meer zu werfen. Der arme Mann erfuhr davon und sagte: „Gut. Lasst mich dem Meeresgott opfern! Lasst mich nicht derjenige sein, der euch alle ruiniert.“

Die Geschäftsleute freuten sich sehr, als sie hörten, dass der arme Mann dem Meeresgott geopfert werden wollte. Sie gaben ihm ein kleines Floß, legten etwas zu essen und zu trinken darauf und ließen ihn dann treiben. Die Geschäftsleute mit dem Schatz blieben auf dem großen Schiff und segelten fröhlich nach Hause.

Der Meeresgott beobachtete dies und erzeugte eine gewaltige Welle, sodass das große Schiff sofort kenterte und alle Geschäftsleute auf den Meeresgrund sanken. Dann entfachte der Meeresgott einen Wind, der das kleine Floß bis ans Ufer trieb. So kehrte der arme Mann wohlbehalten nach Hause zurück.

Foto mit freundlicher Genehmigung der Open-Data-Abteilung des National Palace Museum.