Nach Kaiser Wens Thronbesteigung erkrankte Königinmutter Bo schwer, und Kaiser Wen wich ihr nicht von der Seite, selbst wenn er dadurch kaum schlafen konnte. Manchmal behielt er abends sogar seine Kleider an, nur für den Fall, dass sie ihn rief. Jedes Mal, wenn die Kräutermedizin zubereitet war, kostete er sie zuerst, um sicherzugehen, dass sie nicht zu bitter oder zu scharf war, bevor er sie seiner Mutter zu trinken gab.
Königinmutter Bo sah all dies und war tief bewegt. Sie sagte zu ihm: „Meine Krankheit wird nicht so schnell vorübergehen. Wir haben viele Diener im königlichen Palast, die sich um mich kümmern können; du brauchst dich nicht zu belasten.“
Als Kaiser Wen dies hörte, kniete er vor seiner Mutter nieder und sagte: „Wenn ich mich nicht persönlich um dich kümmere, solange du in diesem Leben lebst, wann wird es dann eine Gelegenheit für mich geben, dir die Gnade deiner Erziehung zu vergelten?“
Drei Jahre später erholte sich Königinmutter Bo allmählich. Alle sagten, dies sei Kaiser Wens aufopferungsvoller Pflege zu verdanken. Danach genoss Kaiser Wen innerhalb und außerhalb des Kaiserhofs noch größeres Ansehen. Er galt allen als Vorbild. Zu jener Zeit wurde die kindliche Pietät gegenüber den Eltern als die höchste Tugend angesehen.